Erdkunde

Wieso beschäftigen wir uns mit Erdkunde?

Das Leben der Menschen und die Ausprägung ihrer Gesellschaft werden auch durch geographische Bedingungen beeinflusst. Unser eigener Alltag, der Lebensstil, die Wirtschaft und unsere Kultur, die auch z.B. durch die Bedingungen einer gemäßigten Klimazone geprägt sind, unterscheiden sich extrem von denen der Menschen, die etwa in subtropischen Zonen leben. Die Auseinandersetzung mit den Umwelt- und Lebensbedingungen von Menschen in anderen Regionen der Erde hilft dabei, auch deren Kultur- und Gesellschaftsformen besser zu verstehen und ihre Entwicklung besser nachzuvollziehen. Die Wechselwirkungen zwischen Natur und Gesellschaft werden daher am Beispiel ausgewählter Regionen im Erdkundeunterricht genauer untersucht. Hierbei wird deutlich, dass es unterschiedliche Wege gibt, eine an den jeweiligen Naturraum angepasste Lebensweise zu führen, bzw. dass eine nichtangepasste Lebensweise zu problematischen Lebens- und Umweltbedingungen führen kann.

Allerdings prägt nicht nur die Umwelt den Menschen. Das Fortschreiten der technischen Möglichkeiten ermöglicht uns immer stärkere Veränderungen unserer Umwelt. Die Menschheit prägt und verändert ihren Lebensraum so stark wie sonst keine andere Spezies. Sie verändert daher nicht nur ihren eigenen Lebensraum, sondern auch den anderer Lebensformen. Manche dieser Veränderungen werden bewusst vorgenommen, andere sind nicht bewusst geplante Folgen unseres Handelns. Die Auseinandersetzung mit diesen Wechselwirkungen geschieht mit dem Ziel, durch ein entstandenes „Raumbewusstsein (…) raumverantwortliche(s) Handeln“ (KC Erdkunde Niedersachsen, Oberschule 2013, S. 5) zu entwickeln sowie durch ein vernetztes Lernen und Denken die aus der Wechselwirkung von Natur und Mensch entstehenden „Strukturen, Prozesse und Probleme zu verstehen und Problemlösungen in Ansätzen zu entwickeln“ (ebd.). Das bedeutet auch, dass „aktuelle geographische Phänomene und Prozesse wie z.B. Globalisierung, Mobilität, Klimawandel, Naturereignisse, Bevölkerungsentwicklung, Migration und Ressourcen­konflikte“ (ebd.) einer kritischen Betrachtung unterzogen werden müssen, da ein Umgang mit ihnen „eine Anpassung bisheriger Verhaltensweisen und Handlungsstrategien auf der Grundlage von fundiertem Sachwissen und Urteils- sowie Problemlösefähigkeit (erfordert)“ (ebd.).

Neben das Anliegen, vernetztes Denken zu unterstützen und nachhaltiges Verhalten zu fördern, tritt das Ziel, dass Schülerinnen und Schüler durch topographisches Lernen eine räumliche Orientierung in ihrer Lebensumwelt entwickeln und diese zunehmend räumlich und inhaltlich erweitern. Sie bleiben dabei nicht bei der räumlichen Orientierungskompetenz des bloßen „Kartenlesens“ stehen, sondern „analysieren Räume der Erde unter verschiedenen Frage- bzw. Problemstellungen und auf unterschiedlichen Maßstabsebenen. (…) [Sie] erhalten dadurch allgemeingeographische und regionalgeographische Kenntnisse über Regionen, Staaten und Staatengruppen.“ (Ebd.)

(Autor: Marcel Kirschner, Fachbereichsleiter GSW)