Politik

Warum ergründen wir Politik?

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland formuliert in Artikel 20: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Diese Staatsgewalt übt das Volk insbesondere durch Wahlen und Abstimmungen aus und wird somit bei Gemeinschaftsentscheidungen zum freien Mitgestalter unserer Demokratie. Das Ziel des Politikunterrichtes ist es, Schülerinnen und Schüler zu politisch mündigen Bürgerinnen und Bürgern auszubilden, die in der Lage sind, „die Grundrechte für sich und jeden anderen wirksam werden zu lassen und zur demokratischen Gestaltung der Gesellschaft bewusst beizutragen.“ (KC Politik Niedersachsen, OBS 2013, S. 5) Hierzu stellt der Politikunterricht „einen fachlich angemessenen und der Bürgerrolle entsprechenden Zugang zu politischen Themen“ (ebd.) bereit.

Dies bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler befähigt werden, sich ihrer eigenen Interessen bewusst zu werden und diese auch deutlich zu vertreten. Es bedeutet aber auch, dass sie sich zu eigen machen, die demokratischen Interessen und Meinungen anderer zu tolerieren und kritisch mit ihnen umzugehen. Sie stellen dabei fest, dass es ein Grundprinzip demokratischen Zusammenlebens ist, Konflikte friedlich auszutragen und auch bei abweichenden Meinungen und Interessen Kompromisse zu schließen und zu kooperieren. Hierzu trainieren sie, präzise Argumente zu formulieren, kritische Fragen zu stellen, durch Perspektivwechsel die Interessenlage und Denkweise anderer nachzuvollziehen, Präsentations- und Diskussionsformen anzuwenden und anderes mehr. Der Politikunterricht untersucht dabei neben Themen der politischen Organisation und Praxis auch „kulturelle, ökonomische, rechtliche, ökologische, soziale, räumliche und historische Aspekte“ (ebd.), „thematisiert insbesondere auch Phänomene und Probleme der nachhaltigen Entwicklung und trägt dazu bei, wechselseitige Abhängigkeiten zu erkennen und Wertmaßstäbe für eigenes Handeln sowie ein Verständnis für gesellschaftliche Entwicklungen zu entwickeln.“ (Ebd.) Dies geschieht nicht zuletzt auch mit dem Ziel, zu verhindern, dass die Schülerinnen und Schüler jetzt und in Zukunft politischen Themen gleichgültig gegenüberstehen oder eine Form von Demokratieverdrossenheit entwickeln.

Der Unterricht im Fach Politik folgt dabei dem Beutelsbacher Konsens, indem er Schülerinnen und Schüler nicht im Sinne einer erwünschten Meinung überwältigt oder überrumpelt, sondern sie bei der Gewinnung eines selbstständigen Urteils fördert. Dabei macht er es sich zum Prinzip, auch im Unterricht Inhalte kontrovers zu betrachten, die in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft kontrovers sind und verzichtet dabei auf eine einseitige Darstellung. Der Politikunterricht versetzt Schülerinnen und Schüler hierbei nicht nur in die Lage, politische Situationen und eigene Interessen zu analysieren, sondern stärkt sie vor allem auch darin, Mittel und Wege zu finden, vorgefundene Lagen im Sinne ihrer Interessen zu beeinflussen.

(Autor: Marcel Kirschner, Fachbereichsleiter GSW)